Netzwerk 15.02.2026 12 Min.

Das OSI-Modell: Alle 7 Schichten einfach erklärt

Was ist das OSI-Modell, warum gibt es sieben Schichten und was passiert auf jeder einzelnen? Der verständliche Deep Dive für IT-Interessierte.

Felix Burwitz

Felix Burwitz

IT-Systemelektroniker & Webentwickler

Was ist das OSI-Modell?

Das OSI-Modell (Open Systems Interconnection) ist ein konzeptionelles Referenzmodell der ISO (International Organization for Standardization), das beschreibt, wie Daten über ein Netzwerk von einem Gerät zum anderen übertragen werden.

Es wurde 1984 veröffentlicht und teilt die Netzwerkkommunikation in sieben aufeinander aufbauende Schichten (Layers) ein. Jede Schicht hat eine klar definierte Aufgabe und kommuniziert nur mit der Schicht direkt über und unter ihr.

Obwohl in der Praxis das TCP/IP-Modell dominiert (mit nur 4 Schichten), ist das OSI-Modell der Standard für das Verständnis und die Fehlerbehebung in Netzwerken — und ein Grundpfeiler jeder IT-Ausbildung.

Die 7 Schichten im Überblick

Von unten nach oben — von der physischen Verbindung bis zur Anwendung. Eselsbrücke: „Please Do Not Throw Sausage Pizza Away" (Physical, Data Link, Network, Transport, Session, Presentation, Application).

7
Application Anwendungsschicht
6
Presentation Darstellungsschicht
5
Session Sitzungsschicht
4
Transport Transportschicht
3
Network Vermittlungsschicht
2
Data Link Sicherungsschicht
1
Physical Bitübertragungsschicht

Schicht 1: Physical Layer (Bitübertragung)

Die unterste Schicht. Hier geht es um die physische Übertragung von Bits (Nullen und Einsen) über ein Medium — elektrische Signale über Kupferkabel, Lichtimpulse über Glasfaser oder Funkwellen über WLAN.

Aufgabe: Bits als physische Signale übertragen
Protokolle: Ethernet (physisch), USB, Bluetooth
Geräte: Kabel, Hubs, Repeater, Netzwerkkarten
PDU: Bits

Schicht 2: Data Link Layer (Sicherung)

Sorgt für die fehlerfreie Übertragung zwischen direkt verbundenen Geräten. Daten werden in Frames verpackt und mit MAC-Adressen versehen. Erkennt und korrigiert Übertragungsfehler aus Layer 1.

Aufgabe: Frames erstellen, MAC-Adressierung, Fehlererkennung
Protokolle: Ethernet (logisch), Wi-Fi (802.11), ARP
Geräte: Switches, Bridges, Access Points
PDU: Frames

Zwei Unterschichten: LLC (Logical Link Control) für Flusskontrolle und MAC (Media Access Control) für den Zugriff auf das physische Medium.

Schicht 3: Network Layer (Vermittlung)

Die Routing-Schicht. Hier werden Datenpakete über Netzwerkgrenzen hinweg zum Ziel geleitet — über mehrere Router hinweg. Hier kommen IP-Adressen ins Spiel.

Aufgabe: Routing, logische Adressierung (IP), Pfadbestimmung
Protokolle: IPv4, IPv6, ICMP, OSPF, BGP
Geräte: Router, Layer-3-Switches
PDU: Pakete (Packets)

Wenn Sie ping 8.8.8.8 oder traceroute nutzen, arbeiten Sie auf Layer 3. Mehr zu IP: DNS & Domain erklärt.

Schicht 4: Transport Layer (Transport)

Stellt die zuverlässige Ende-zu-Ende-Kommunikation zwischen zwei Anwendungen her. Hier wird entschieden: Brauche ich Zuverlässigkeit (TCP) oder Geschwindigkeit (UDP)?

Aufgabe: Segmentierung, Flusskontrolle, Fehlerkorrektur
Protokolle: TCP, UDP, QUIC
Konzepte: Ports, Sockets, Sequenznummern
PDU: Segmente (TCP) / Datagramme (UDP)

TCP — Zuverlässig

Verbindungsorientiert. Three-Way-Handshake, Bestätigungen, Reihenfolge garantiert. Für Web, E-Mail, Dateitransfer.

UDP — Schnell

Verbindungslos. Kein Handshake, kein Bestätigungsmechanismus. Für Streaming, VoIP, Gaming, DNS.

Schicht 5: Session Layer (Sitzung)

Verwaltet Sitzungen (Sessions) zwischen zwei Kommunikationspartnern. Öffnet, steuert und beendet Verbindungen. Ermöglicht Wiederaufnahme nach Unterbrechungen (Checkpointing).

Aufgabe: Session-Management, Synchronisation, Dialog-Steuerung
Beispiele: NetBIOS, RPC, PPTP, Session-Cookies

In der Praxis selten als eigene Schicht sichtbar — die Funktionalität wird meist von Protokollen höherer Schichten übernommen.

Schicht 6: Presentation Layer (Darstellung)

Der „Übersetzer" im OSI-Modell. Wandelt Daten zwischen dem Netzwerkformat und dem Anwendungsformat um. Zuständig für Verschlüsselung, Komprimierung und Zeichensatzkonvertierung.

Aufgabe: Datentransformation, Verschlüsselung, Komprimierung
Beispiele: TLS/SSL, JPEG, GIF, ASCII, UTF-8, MIME

Wenn Ihr Browser eine HTTPS-Verbindung aufbaut, arbeitet die TLS-Verschlüsselung hier.

Schicht 7: Application Layer (Anwendung)

Die oberste Schicht — die Schnittstelle zum Benutzer. Hier arbeiten die Protokolle, die Sie täglich nutzen: HTTP für Websites, SMTP für E-Mail, FTP für Dateiübertragung.

Aufgabe: Netzwerkdienste für Anwendungen bereitstellen
Protokolle: HTTP/S, SMTP, IMAP, FTP, SSH, DNS
Anwendungen: Browser, E-Mail-Client, FTP-Client
PDU: Daten (Data)

Wichtig: Layer 7 ist nicht die Anwendung selbst (z. B. Chrome), sondern die Protokolle, die die Anwendung nutzt (z. B. HTTP).

Praxis: Was passiert beim Aufruf einer Website?

Wenn Sie www.burwitz-it.de aufrufen, durchlaufen die Daten alle 7 Schichten — zweimal:

⬇ 7 Browser erstellt HTTP-GET-Request
⬇ 6 TLS verschlüsselt die Daten (HTTPS)
⬇ 5 TCP-Session wird aufgebaut
⬇ 4 TCP segmentiert in Pakete, fügt Port 443 hinzu
⬇ 3 IP fügt Quell- und Ziel-IP-Adresse hinzu
⬇ 2 Ethernet erstellt Frame mit MAC-Adressen
⬇ 1 Bits werden als elektrische/optische Signale gesendet

Auf dem Server passiert das Gleiche in umgekehrter Reihenfolge (Layer 1 → 7). Jede Schicht „entpackt" ihren Header und gibt die Daten nach oben weiter — das nennt man Encapsulation / Decapsulation.

OSI-Modell vs. TCP/IP-Modell

OSI (7 Schichten) TCP/IP (4 Schichten)
7 – ApplicationApplication
6 – Presentation
5 – Session
4 – TransportTransport
3 – NetworkInternet
2 – Data LinkNetwork Access
1 – Physical

Das TCP/IP-Modell ist praxisorientierter, das OSI-Modell ist detaillierter und besser für Lernen, Zertifizierungen und Fehlerdiagnose geeignet.

Troubleshooting mit dem OSI-Modell

Das OSI-Modell ist das mächtigste Troubleshooting-Tool in der IT. Bei Netzwerkproblemen arbeiten Sie sich systematisch von unten nach oben:

Layer 1: Kabel eingesteckt? LED am Switch an? WLAN-Signal vorhanden?
Layer 2: MAC-Adresse erkannt? Switch-Port aktiv? VLAN korrekt?
Layer 3: IP-Adresse korrekt? ping erfolgreich? Default Gateway erreichbar?
Layer 4: Port offen? Firewall blockiert TCP/UDP? telnet host 443 möglich?
Layer 7: DNS-Auflösung? HTTP-Statuscode? SSL-Zertifikat gültig?

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Das OSI-Modell zu verstehen hilft Ihnen, Netzwerkprobleme einzuordnen und mit IT-Dienstleistern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Bei Burwitz-IT planen und betreuen wir Ihre IT-Infrastruktur — von Layer 1 bis Layer 7. Jetzt beraten lassen.

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