Netzwerk 14.02.2026 10 Min.

IPv4 vs. IPv6: Unterschiede, Adressierung & Zukunft

IPv4-Adressen gehen aus, IPv6 hat 340 Sextillionen — warum ist der Umstieg trotzdem so langsam? Technik, Unterschiede und was Unternehmen wissen müssen.

Felix Burwitz

Felix Burwitz

IT-Systemelektroniker & Webentwickler

Das Adress-Problem des Internets

Jedes Gerät im Internet braucht eine IP-Adresse — die eindeutige Kennung, über die es erreichbar ist. Das Problem: IPv4 wurde 1981 entworfen und bietet nur 4,3 Milliarden Adressen. Bei über 15 Milliarden vernetzten Geräten weltweit reicht das längst nicht mehr.

IPv6 löst dieses Problem mit einem praktisch unendlichen Adressraum. Trotzdem ist der Umstieg nach über 25 Jahren noch nicht abgeschlossen. Dieser Artikel erklärt die technischen Unterschiede und warum das so ist.

IPv4: Das Original

IPv4 (Internet Protocol Version 4) verwendet 32-Bit-Adressen, dargestellt als vier Dezimalzahlen (Oktette) getrennt durch Punkte:

192.168.1.1
Adressraum: 2³² = 4.294.967.296 Adressen
Header-Größe: 20–60 Bytes (variabel)
Konfiguration: Manuell oder DHCP
Sicherheit: IPsec optional

Private IP-Bereiche (RFC 1918)

10.0.0.0/816,7 Mio. Adressen — Große Netzwerke
172.16.0.0/121 Mio. Adressen — Mittlere Netzwerke
192.168.0.0/1665.536 Adressen — Heimnetzwerke

Private IPs sind im Internet nicht direkt erreichbar — sie werden per NAT (Network Address Translation) über eine öffentliche IP geleitet. NAT ist der Hauptgrund, warum IPv4 überhaupt so lange funktioniert hat.

IPv6: Die Lösung

IPv6 (Internet Protocol Version 6) verwendet 128-Bit-Adressen, dargestellt als acht Gruppen von Hexadezimalzahlen:

2001:0db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334

Kurzform: 2001:db8:85a3::8a2e:370:7334

Adressraum: 2¹²⁸ = 3,4 × 10³⁸ Adressen
Header-Größe: 40 Bytes (fest, effizienter)
Konfiguration: SLAAC (Autoconfiguration) oder DHCPv6
Sicherheit: IPsec integriert (mandatory)

340 Sextillionen Adressen — genug, um jedem Sandkorn auf der Erde Milliarden IP-Adressen zu geben. Mit IPv6 braucht man kein NAT mehr: Jedes Gerät bekommt eine eigene öffentliche Adresse.

Technischer Vergleich

Eigenschaft IPv4 IPv6
Adresslänge32 Bit128 Bit
NotationDezimal (192.168.1.1)Hexadezimal (2001:db8::1)
ARPARP (Broadcast)NDP (Multicast, effizienter)
BroadcastJaNein (nur Multicast/Anycast)
NAT nötig?Ja (Pflicht)Nein
HeaderVariabel, komplex40 Byte, fest, einfacher
FragmentierungRouter + SenderNur Sender

Subnetting: CIDR-Notation

Sowohl IPv4 als auch IPv6 nutzen CIDR (Classless Inter-Domain Routing), um Netzwerke in Subnets aufzuteilen. Die Zahl nach dem Schrägstrich gibt an, wie viele Bits für das Netzwerk reserviert sind:

192.168.1.0/24→ 256 Adressen (192.168.1.0 – 192.168.1.255)
10.0.0.0/8→ 16,7 Mio. Adressen
2001:db8::/48→ Standard-Zuweisung für Unternehmen (65.536 /64-Subnetze)
2001:db8:1::/64→ Ein einzelnes Subnetz (Standard für LANs)

Warum ist der IPv6-Umstieg so langsam?

NAT funktioniert „gut genug" — Die meisten Unternehmen kommen mit NAT + privaten IPv4-Adressen aus. Der Leidensdruck fehlt.
Nicht abwärtskompatibel — IPv4 und IPv6 können nicht direkt miteinander kommunizieren. Dual-Stack (beide parallel) erhöht die Komplexität.
Legacy-Hardware — Alte Router, Firewalls und Software unterstützen teilweise kein IPv6.
Fehlendes Know-how — Viele Admins sind mit IPv4 aufgewachsen und scheuen den Umstieg.
Kosten — Hardware- und Software-Upgrades, Training, Testing — ohne sofort sichtbaren ROI.

Aktueller Stand (2026): Ca. 45 % des globalen Traffics läuft über IPv6. Google, Facebook, Netflix und alle großen Cloud-Provider unterstützen IPv6 nativ. Deutschland liegt bei ca. 65 % IPv6-Fähigkeit.

IPv6 für Webserver und Websites

Für Website-Betreiber ist IPv6 besonders relevant:

AAAA-Record im DNS — Neben dem A-Record (IPv4) einen AAAA-Record (IPv6) anlegen. Mehr: DNS erklärt.
Webserver auf IPv6 konfigurieren — Nginx: listen [::]:443 ssl
Firewall anpassen — IPv6 hat eigene Firewall-Regeln (ip6tables / nftables).
Happy Eyeballs — Browser probieren IPv6 und IPv4 parallel und nehmen die schnellere Verbindung.

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